Ankündigung von Baugrunduntersuchungen im Landabschnitt Süd

Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, braucht es nicht nur neue Offshore-Windparks, sondern auch neue Leitungen, die sie mit dem Übertragungsnetz verbinden. Das ist Aufgabe der geplanten Offshore-Netzanbindungssysteme DolWin4 und BorWin4. Als Übertragungsnetzbetreiber hat Amprion gemäß § 17d EnWG den gesetzlichen Auftrag, diese beiden Projekte von der Nordsee kommend bis nach Lingen im Emsland zu bauen. Die Inbetriebnahme ist bei DolWin4 für 2028 und bei BorWin4 für 2029 geplant. Die Amprion Offshore GmbH hat als hundertprozentige Tochter der Amprion GmbH die Vorhabenträgerschaft für die beiden Projekte übernommen.

Die beiden geplanten Offshore-Netzanbindungssysteme werden auf der Landseite und größtenteils auch auf der Seeseite parallel zueinander gebaut, um die Beeinträchtigung vor Ort so gering wie möglich zu halten. Die Gleichstromkabel unterqueren von den Konverterplattformen in der Nordsee kommend die Insel Norderney und erreichen im Bereich Hilgenriedersiel (Gemeinde Hagermarsch) die Küste. Zwischen Emden und Wietmarschen (Landkreis Grafschaft Bentheim) sollen DolWin4 und BorWin4 mit der Gleichstromverbindung A-Nord gebündelt werden, einem weiteren Erdkabelprojekt von Amprion. Der sogenannte Landabschnitt Süd erstreckt sich vom Absprungpunkt A-Nord nördlich von Lohne (Wietmarschen) bis zur geplanten Konverterstation in der Nähe der Umspannanlage (UA) Hanekenfähr (Lingen/Ems).

Um unsere Planungen im Landabschnitt Süd zu präzisieren und die Unterlagen für das anschließende Genehmigungsverfahren zu erstellen, müssen Baugrunduntersuchungen inkl. Kampfmittelerkundungen durchgeführt werden. Die Berechtigung zur Durchführung dieser Untersuchungen (Vorarbeiten) ergibt sich aus §44 Absatz 1 Satz 1 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Mit dieser ortsüblichen Bekanntmachung werden den von den Untersuchungen betroffenen Eigentümern und sonstigen Nutzungsberechtigten die Vorarbeiten als Maßnahme nach §44 Absatz 2 EnWG bekanntgemacht.

Die Vorarbeiten erstrecken sich über einen Gesamtzeitraum vom 15. Juni 2021 bis zum 31. Oktober 2021.

In diesem Zeitraum ist eine jeweils kurzzeitige, ggfs. mehrfache Inanspruchnahme (i. d. R. 1 - 2 Arbeitstage übereinen Zeitraum von etwa 2 Wochen) der unten aufgeführten Flurstücke zur Durchführung der Vorarbeiten notwendig.

Mit folgenden einzelnen Arbeiten, die jedoch nicht zwingend auf allen Grundstücken erfolgen, ist zu rechnen:

Auspflockung/Vermessung

Alle Untersuchungspunkte werden vor Beginn der Arbeiten i. d. R. mittels farblich gekennzeichneten Holz-/Kunststoffpflöcken markiert („ausgepflockt“) und eingemessen. Die Auspflockung wird im Anschluss an die Untersuchungen wieder vollständig entfernt.

Zuwegungen zu Untersuchungspunkten

Zum Erreichen der Untersuchungspunkte (in der Regel durch Erkundungstrupps und Raupenfahrzeuge) werden Zuwegungen zu diesen notwendig. Hierzu werden überwiegend öffentliche Straßen befahren und nur auf möglichst kurzen Strecken land- und forstwirtschaftliche oder ggf. auch private Wege genutzt. Einige Untersuchungspunkte werden nicht direkt über feste Wege erreicht werden können. In diesen Fällen werden auch Acker- und Grünflächen genutzt und ggfls. temporär ertüchtigt (i. d. R. durch Auslegen von Baggermatratzen oder Stahlplatten). Zudem müssen Flächen für die Erreichbarkeit der Untersuchungspunkte ggf. freigeschnitten / freigeschlegelt werden. Dies soll möglichst nur unter vorheriger Abstimmung mit dem jeweiligen Nutzungsberechtigten erfolgen.

Handschachtungen

Vor Durchführung der Bohrungen und Sondierungen werden an jedem Untersuchungspunkt Handschachtungen bis ca. 1,2 Meter unter Geländeoberkante zur Gewährleistung der Leitungsfreiheit ausgeführt. Nach Abschluss der Bohrungen / Sondierungen werden die Handschachtungen fachgerecht verschlossen.

Kampfmittelerkundung

Vor der Durchführung der nachfolgend genannten Maßnahmen wird jeder Untersuchungspunkt auf Kampfmittel erkundet. So wird sichergestellt, dass Kampfmittel keine Gefahr für die Erkundungsarbeiten darstellen. Die Kampfmittelerkundung erfolgt entweder mittels Handgeräten von der Oberfläche aus oder wird als Sondierungsbohrung (vergleiche Kernbohrung, jedoch als Schneckenbohrungen mit einem Durchmesser von ca. 80 mm) mit Tiefen von bis zu 10 Metern unter Geländeoberkante ausgeführt. Für die Arbeiten wird eine Fläche von zehnmal zehn Metern benötigt. Diese Arbeiten finden i.d.R. mit einem zweiwöchigen Vorlauf vor den eigentlichen Erkundungsmaßnahmen statt. Nach Abschluss wird das Bohrloch fachgerecht verfüllt. Direkt nach Durchführung der Erkundung steht die Fläche wieder uneingeschränkt zur Verfügung.

Bodenkartierung

Die Erkundung der oberflächennahen belebten Bodenschichten erfolgt mittels Pürckhauer-Bohrstock. Hierbei handelt es sich um ein Handgerät, welches manuell in Tiefen von bis zu zwei Metern unter Geländeoberkante in den Untergrund geschlagen wird. Für die Arbeiten wird eine Fläche von drei mal drei Metern benötigt. Direkt nach Durchführung der Untersuchung steht die Fläche wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die Arbeiten werden gemäß DIN 19671-1 und Bodenkundlicher Kartieranleitung KA5 durchgeführt.

Rammsondierung

Eine Rammsondierung ist eine einfache Methode zur Erkundung des Untergrundes. Dabei wird eine bis zu 50 mm breite, geschlossene Stahlsonde bis in Tiefen von fünf Metern unter Geländeoberkante in den Untergrund getrieben. Die dabei benötigte Schlagzahl pro zehn Zentimeter gibt Aufschluss u. a. über die Lagerungsdichte des Untergrundes. Als Geräte kommen Handgeräte oder kleine Raupenfahrzeuge zum Einsatz. Diese benötigen eine Aufstellfläche von rund drei mal drei Metern. Nach Abschluss wird das Bohrloch fachgerecht verfüllt. Direkt nach Durchführung der Rammsondierung steht die Fläche wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die Arbeiten werden gemäß DIN EN ISO 22476-2 durchgeführt.

Kleinrammbohrung

Eine Kleinrammbohrung ist eine einfache Methode zur Erkundung des Untergrundes und zur Entnahme von gestörten Bodenproben. Dabei wird eine bis zu 80 mm breite, hohle Stahlsonde mit seitlichem Schlitz in Tiefen von bis zu fünf Metern unter Geländeoberkante getrieben. Aus den so gewonnenen Bodenproben kann u. a. der Bodenaufbau bestimmt werden. Als Geräte kommen handgeführte Schlaghämmer oder kleine Raupenfahrzeuge zum Einsatz. Für die Arbeiten wird eine Fläche von rund drei mal drei Metern benötigt. Nach Abschluss wird das Bohrloch fachgerecht verfüllt. Direkt nach Durchführung der Kleinrammbohrung steht die Fläche wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die Arbeiten werden gemäß DIN EN ISO 22475-1 durchgeführt.

Kernbohrung

Eine Kernbohrung ist eine Methode zur Erkundung des Untergrundes und zur Entnahme von ungestörten Bodenproben. Hierbei wird ein 100 bis 200 mm breites Kernrohr beispielsweise durch Rammschläge (entspricht „Rammkernbohrung“) in Tiefen von ca. 15 bis 25 Metern unter Geländeoberkante in den Untergrund getrieben. Durch Entleeren des Kernrohrs wird der Untergrund in seiner natürlichen Reihenfolge und Lagerung gewonnen. Als Geräte kommen in der Regel Raupenfahrzeuge zum Einsatz. Diese benötigen eine Aufstellfläche von rund zehn mal zehn Metern. Nach Abschluss wird das Bohrloch fachgerecht verfüllt. Direkt nach Durchführung der Kernbohrung steht die Fläche wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die Arbeiten werden gemäß DIN EN ISO22475-1 durchgeführt.

Drucksondierung

Eine Drucksondierung ist eine Methode zur Erkundung des Untergrundes, insb. der Lagerungsdichte. Hierbei wird eine kegelförmige Messspitze mit konstanter Geschwindigkeit in Tiefen von ca. 15 bis 25 Metern unter Geländeoberkante in den Untergrund gepresst. Zum Einsatz kommen in der Regel Raupenfahrzeuge. Diese benötigen eine Aufstellfläche von rund zehn mal zehn Metern. Nach Abschluss wird das Bohrloch fachgerecht verfüllt. Direkt nach Durchführung der Drucksondierung steht die Fläche wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die Arbeiten werden gemäß DIN EN ISO 22476-1 durchgeführt.

Grundwassermessstelle

Zur Erkundung des Grundwassers werden wenige Kernbohrungen zu Grundwassermessstellen ausgebaut. Hierzu werden die ausgewählten Bohrlöcher bis in Tiefen von bis zu 20 Metern unter Geländeoberkante auf i.d.R. 324 mm aufgeweitet, ein Filterrohr (Durchmesser 125 mm) eingestellt und der Ringraum mit Filterkies verfüllt. Überflur wird ein verzinktes Stahl-Aufsatzrohr (Durchmesser 150 mm) angebracht. Das Filterrohr wird zudem mittels Metallgestänge (Anfahrschutz) geschützt und mit einer zusätzlichen Sichtmarkierung versehen. Dabei wird das Filterrohr so platziert, dass es möglichst kein Bewirtschaftungshindernis darstellt. Der Anfahrschutz wird unterhalb der Geländeoberkante einbetoniert.

Die gewonnenen Daten sind für die Vorbereitung der Planung und der Baudurchführung des Vorhabens essentiell. Aus diesem Grund werden die Messstellen zumindest bis zum Beginn der Bauausführung betrieben. Die Daten werden digital übermittelt, sodass eine Betretung nur im Reparaturfall erfolgen muss. Falls nötig, werden die Grundwassermessstellen im Anschluss an die Planung im Rahmen der Bauausführung für das weitere Monitoring des Grundwassers genutzt. Spätestens nach Abschluss der Baumaßnahme werden die Filterrohre und die Sicherungsmaßnahmen entfernt, das Bohrloch fachgerecht verfüllt und die Fläche steht wieder uneingeschränkt zur Verfügung.

Vermeidung von Flurschäden

Sollte es zu Flurschäden kommen, werden wir uns mit Ihnen oder IhremNutzungsberechtigten abstimmen. Diese werden dann zeitnah beseitigtoder in voller Höhe entschädigt.

Eigentümerkommunikation

Eine individuelle Ansprache der betroffenen Eigentümer und Nutzungsberechtigtenerfolgt rechtzeitig vor dem Beginn der Maßnahmendurchführung.

Wir bedanken uns vorab für Ihr Verständnis.

Nachfolgend finden Sie eine Liste mit den betroffenen Flustücken in der Gemeinde Wietmarschen und der Stadt Lingen.

Stefan Sennekamp
Ihr Ansprechpartner:
Stefan Sennekamp
Projektsprecher DolWin4 & BorWin4