Ankündigung von Kartierungsarbeiten für DolWin4 und BorWin4

Amprion hat als zuständiger Übertragungsnetzbetreiber gemäß §17d EnWG den gesetzlichen Auftrag, die beiden Offshore-Netzanbindungssysteme DolWin4 und BorWin4 von der Nordsee bis zur Umspannanlage (UA) Hanekenfähr (Lingen/Ems) zu bauen. Sie sollen 2028 (DolWin4) und 2029 (BorWin4) in Betrieb gehen.

Die beiden geplanten Offshore-Netzanbindungssysteme werden auf der Landseite und größtenteils auch auf der Seeseite parallel zueinander gebaut, um die Beeinträchtigung vor Ort so gering wie möglich zu halten. Die Gleichstromkabel unterqueren von den Konverterplattformen in der Nordsee kommend die Insel Norderney und erreichen im Bereich Hilgenriedersiel (Gemeinde Hagermarsch) die Küste. Zwischen Emden und Wietmarschen (Landkreis Grafschaft Bentheim) sollen DolWin4 und BorWin4 mit der Gleichstromverbindung A-Nord gebündelt werden, einem weiteren Erdkabelprojekt von Amprion.

Um unsere Planungen im Abschnitt von Hilgenriedersiel bis nach Emden zu präzisieren und die Erstellung der Unterlagen für das sich anschließende Genehmigungsverfahren fortzuführen, müssen biologische Kartierungsarbeiten durchgeführt werden. Die Kartierungen in einem ca. 600 m breiten Untersuchungskorridor dienen dazu, Aufschluss über relevante artenschutzrechtliche Aspekte zu erhalten und somit die Vereinbarkeit des Vorhabens mit dem Natur- und Artenschutz zu gewährleisten. Dazu ist eine Inanspruchnahme der unten bezeichneten Flurstücke erforderlich.

Da sich die Kartierzeiträume an den verschiedenen Lebenszyklen der Flora und Fauna orientieren, wird sich der Kartierungszeitraum von Ende August 2020 bis Oktober 2021 (KW 36 2020 bis KW 43 2021) erstrecken. Die mögliche Inanspruchnahme der Grundstücke wird nicht über den gesamten Zeitraum stattfinden, sondern höchstens phasenweise und kurzzeitig.

Mögliche Maßnahmen

Auf den beanspruchten Flächen können folgende Maßnahmen anfallen, die wir Ihnen hier erklären möchten:

Kartierungen von Rastvögeln und Wintergästen

Hierfür werden in der Zeit von Ende August 2020 bis April 2021 (KW 36 2020 bis KW 17 2021) alle 10 Tage Begehungen durchgeführt. Diese werden zum überwiegenden Teil von öffentlich zugänglichen Wegen zu Fuß und mit dem Auto durchgeführt. In Ausnahmefällen kann hier ein Betreten der entsprechenden Flurstücke notwendig sein.

Kartierungen von Brutvögeln

Diese werden in der Zeit von Februar bis Juli 2021 (KW 5 bis KW 30) durchgeführt. Hierfür wird das Untersuchungsgebiet in acht vollständigen Durchgängen kartiert. Die Kartierungen werden ebenfalls zu einem großen Teil von öffentlich zugänglichen Wegen zu Fuß oder mit dem Fahrrad durchgeführt. Im Unterschied zu den Rastvogelkartierungen wird hier ein Betreten entsprechender Flurstücke öfter notwendig sein, um z.B. im Zuge der Revierkartierung Singvögel örtlich besser zuordnen zu können.

Kartierungen von Biotop- und FFH-Lebensraumtypen

Diese erfolgen in der Zeit von April bis September 2021 (KW 13 bis KW 39). Hierfür wird das Untersuchungsgebiet einmal vollständig kartiert. Die Kartierungen werden zu einem großen Teil von öffentlich zugänglichen Wegen zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem Auto durchgeführt. Zur genauen Erfassung von Vegetationsdetails kann es notwendig werden, einzelne Flurstück zu betreten.

Kartierungen von Amphipien und/oder Reptilien

Falls diese erforderlich sein sollten, würden einzelne, geeignete Habitate (Amphibien: Stillgewässer oder langsame Fließgewässer) gezielt in der Zeit von Februar bis Oktober (KW 5 bis KW 43) sechs- bis neunmal zur Erfassung der verschiedenen Arten abgekeschert bzw. direkt in Augenschein genommen werden. Die Kartierungen würden zu einem großen Teil von öffentlich zugänglichen Wegen zu Fuß durchgeführt werden. Zur Erfassung von Details ist es dann notwendig, direkt an das Gewässer zu gelangen.

Kartierung von Fledermäusen

Falls diese erforderlich sein sollten, würden in der Zeit von März bis Oktober (KW 9 bis K 43) nachts gezielt geeignete Habitatstrukturen (Hecken, Gehölze, Baumgruppen) sechs- bis achtmal mit Aufnahmegeräten begangen oder nächteweise mit festen Aufnahmegeräten („Horchboxen“) versehen und die Habitatstrukturen vor Ort in Augenschein genommen werden. Die Kartierungen würden zu einem großen Teil von öffentlich zugänglichen Wegen zu Fuß oder mit dem Auto durchgeführt werden. Durch die begrenzte Reichweite der Erfassungsgeräte ist es dann notwendig, direkt an die entsprechende Struktur zu gelangen.

Durchführung der Maßnahmen

Im Zuge der Kartierungsarbeiten werden im Regelfall keine Schäden oder Einschränkungen verursacht. Sollte es trotz aller Vorsicht dennoch zu Flurschäden kommen, können diese bei u. g. Kontakt angezeigt werden. Diese werden dann zeitnah beseitigt oder in voller Höhe entschädigt.

Mit den Maßnahmen haben wir die Planungsgemeinschaft Umweltplanung Netzausbau bestehend aus den Planungsbüros IBL Umweltplanung GmbH, Oldenburg und Planungsgruppe Grün GmbH, Bremen beauftragt. Der saisonale Start der jeweiligen Kartierungen kann sich je nach Großwetterlage des entsprechenden Jahres um einige Wochen vor oder hinter die oben angegebenen Zeiträume verschieben.

Die Berechtigung zur Durchführung der Kartierungen (Vorarbeiten) ergibt sich aus § 44 Absatz 1 Satz 1 des Energiewirtschaftsgesetzes. Den Eigentümern und sonstigen Nutzungsberechtigten werden die Vorarbeiten als Maßnahme gemäß § 44 Absatz 2 EnWG über ortsübliche Bekanntmachungen angekündigt.

Die betroffenen Grundstücke ergeben sich aus der Flurstücksliste. Mitarbeiter der Vorhabenträgerin oder von ihr beauftragte Firmen werden darüber hinaus mit den von den Kartierungsarbeiten berührten Eigentümern und Nutzungsberechtigten bei Bedarf in Kontakt treten, sofern im Rahmen von Kartierungen temporäre Installationen (z.B. Fledermaushorchboxen, künstliche Reptilienverstecke) ausgebracht werden müssen.

Wir bedanken uns vorab für Ihr Verständnis.

Hier finden Sie die Flurstückslisten nach Kommunen/Gemeinden sortiert und eine Karte zur Übersicht zum Download:

Stefan Sennekamp
Ihr Ansprechpartner
Stefan Sennekamp
Projektsprecher DolWin4 & BorWin4