Das technische Konzept

Konverterplattform auf See

LanWin1 und LanWin3 verbinden Offshore-Windparks in den Gebieten 11 und 12 mit dem Festland. Für die Stromübertragung kommt dabei die Gleichstromtechnik zum Einsatz. Diese ermöglicht es, große Energiemengen mit sehr geringen Verlusten über große Entfernungen zu transportieren. Die Windkraftanlagen selbst erzeugen allerdings Wechselstrom. Um ihn vor Ort in Gleichstrom umzuwandeln, ist ein sogenannter Konverter notwendig. Er besteht aus verschiedenen Komponenten wie Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Spulen. In der Nordsee muss er Wind und Wetter standhalten. Daher befindet er sich innerhalb einer wind- und wettergeschützten Plattform. Um Wartungs- und Reparaturarbeiten zu ermöglichen, sind dort auch Krane und ein Hubschrauberlandeplatz vorgesehen.

Offshore-Windparks lassen sich mit der Konverterplattform auf unterschiedliche Weisen verbinden. Bei der sogenannten Direktanbindung führen mehrere 66-Kilovolt-Seekabel unmittelbar von den Windkraftanlagen in die Plattform. Der Flächenentwicklungsplan des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie sieht für LanWin1 und LanWin3 eine Direktanbindung vor.

Die Konverterplattformen stehen weit von der Küste entfernt auf hoher See. Allerdings fertigen wir sie aufgrund ihrer Größe an Land. Für die Installation auf See stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Wie wir bei LanWin1 und LanWin3 vorgehen, entscheidet sich abhängig von den örtlichen Gegebenheiten im weiteren Verlauf der Projekte.

See- und Erdkabel

Von den Offshore-Plattformen wird der Strom über Seekabel in Richtung Küste transportiert, welche sicher und möglichst umweltschonend im Meeresboden verlegt werden. Dafür greift Amprion auf unterschiedliche erprobte Verlegetechniken zurück. Gerade in ökologisch sensiblen Bereichen wie dem Wattenmeer achten wir besonders stark auf umweltschonende Verlegeverfahren.

Um Norderney und den Deich an der Nordseeküste zu queren, nutzen wir das sogenannte Horizontalspühlbohrverfahren-Verfahren („Horizontal Directional Drilling (HDD)“). Mit diesem Spülbohrverfahren realisieren wir längere Querungen, ohne den Boden abzutragen. Experten sprechen von einer „geschlossenen“ Bauweise. Damit greifen wir nur minimal in Natur und Landschaft ein. Nur am Start- und Zielpunkt einer solchen Strecke benötigen wir Flächen für die Baustelleneinrichtung. Zu den Nachteilen der geschlossenen Verfahren zählen die höheren Kosten, die bei solchen Sonderlösungen entstehen, und die begrenzte Reichweite.

Auf dem Festland werden wir Erdkabel vom Deich in Hilgenriedersiel in der Gemeinde Hagermarsch bis zu den jeweiligen Netzverknüpfungspunkten verlegen. Erdkabelverbindungen möglichst wirtschaftlich und bodenschonend zu bauen, ist eine Herausforderung. Amprion stellt sich ihr gemeinsam mit Forschungseinrichtungen, Experten und Fachverbänden. Deshalb sucht Amprion den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern, sowie mit Politik und Wirtschaft, um von lokalen Hinweisen bei der Planung zu profitieren. Heute verfügen wir über das Know-how, Erdkabel in verschiedenen Bauweisen zu verlegen. Dabei kommen sowohl die geschlossene als auch die „offene“ Bauweise infrage. Bei der offenen Bauweise wird der Boden Schicht für Schicht ausgehoben, getrennt gelagert und später in umgekehrter Reihenfolge wieder verfüllt. Ob wir uns für eine offene oder geschlossene Bauweise entscheiden, hängt unter anderem von den jeweiligen Boden- und Grundwasserverhältnissen sowie den landschaftlichen Gegebenheiten ab – wenn etwa Flüsse oder Autobahnen gekreuzt werden müssen.

Konverterstationen an Land

Das Übertragungsnetz in Deutschland verwendet überwiegend Wechselstromtechnik. Deshalb benötigen wir in der Nähe der Netzverknüpfungspunkte jeweils eine weitere Konverterstation für LanWin1 und LanWin3, die den ankommenden Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. Anschließend kann der übertragene Strom über die jeweilige Umspannanlage (Wehrendorf für LanWin1 und Westerkappeln für LanWin3) in das 380-Kilovolt-Wechselstromnetz eingespeist werden kann. Von dort aus gelangt der Strom über das Übertragungs- und Verteilnetz zu den Stromkunden. Die Konverter werden jeweils in Hallen errichtet. Der Bau dieser Hallen dauert in der Regel ungefähr zwei Jahre.