Raumordnungsverfahren Seetrassen 2030

Untersuchungsgebiet Seetrassen 2030

Im Sommer 2020 hat die Bundesregierung beschlossen, den Ausbau der Offshore-Windenergie voranzutreiben, nicht zuletzt um die Ziele des  Klimaschutzprogramms 2030 zu erreichen. Damit hat der Bund zugleich auch höhere Ziele festgelegt: So steigt die für 2030 ursprünglich geplante Leistung von 15 Gigawatt (GW) auf 20 GW, für 2040 sind sogar 40 GW vorgesehen. Deshalb braucht es nicht nur neue Offshore-Windparks, sondern auch neue Leitungen, die sie mit dem Übertragungsnetz verbinden.

Aktuell verlaufen die Gleichstrom-Anbindungen der Offshore-Windparks aus der Ausschließlichen Wirtschaftszone nach Niedersachsen über die Grenzkorridore N-I (Anlandungspunkt Hamswehrum, bereits vollständig ausgeschöpft) und N-II. Die Seekabel über den Grenzkorridor N-II führen durch die 12-Seemeilen-Zone bis zum Anlandungspunkt Hilgenriedersiel und queren dabei die Insel Norderney. Aufgrund der engen zeitlichen Taktung der Bauarbeiten auf der Insel sowie der Vielzahl an Projekten sind jedoch weitere Trassenkorridore erforderlich. Deshalb haben Amprion und TenneT im Jahr 2019 vorausschauend das Projekt „Seetrassen 2030“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Gemeinsam wollen wir neue Trassenkorridore für zukünftig zu entwickelnde Offshore-Netzanbindungssysteme im niedersächsischen Küstenmeer erschließen. Da die Anbindung dieser Systeme an das Übertragungsnetz entweder in der Regelzone von Amprion oder TenneT erfolgen wird, haben die Unternehmen im Dezember 2020 gemeinsam einen Antrag auf Durchführung eines Raumordnungsverfahrens (ROV) gestellt. Innerhalb dieses ROV arbeiten die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Amprion und TenneT gemeinsam daran, Räume zu sichern, die sich für die Verlegung von Offshore-Netzanbindungssystemen eignen. In dem ROV geht es nicht um die Genehmigung eines konkreten Netzanbindungssystems.

Was ist ein Raumordnungsverfahren?

In einem ROV prüft die zuständige Landesbehörde die Raumverträglichkeit raumbedeutsamer Planungen und Maßnahmen unter überörtlichen Gesichtspunkten. Diese Prüfung schließt auch die Ermittlung, Beschreibung und Bewertung voraussichtlicher Umweltauswirkungen eines Vorhabens mit ein. Raumbedeutsame Planungen mit überörtlicher Bedeutung sind z. B. die Errichtung von Hochspannungsfreileitungen, der Bau einer Bundesfernstraße oder der Ausbau von Bundeswasserstraßen. Welche Planungen und Maßnahmen in einem ROV zu prüfen sind, gibt die  Raumordnungsverordnung vor. Für Erdkabelplanungen ist die Durchführung eines ROV in Niedersachsen nicht vorgeschrieben. Jedoch kann die zuständige Landesplanungsbehörde auch für andere raumbedeutsame Planungen von überörtlicher Bedeutung die Durchführung eines ROV vorsehen. Dies ist im gegenständlichen ROV „Seetrassen 2030“ der Fall.

Das Verfahren dient neben der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange (Kommunen, Fachbehörden, Verbände etc.) auch einer frühzeitigen Anhörung und Information der Öffentlichkeit. Nach Einleitung des ROV durch die zuständige Landesplanungsbehörde besteht die Möglichkeit zur Einsicht der Unterlagen und anschließenden Stellungnahme zur Planung. Es folgt der sogenannte Erörterungstermin, in dem gemeinsam mit Planungsträger, Landesplanungsbehörde, Trägern öffentlicher Belange und Naturschutzvereinigungen die zuvor ausgewerteten Stellungnahmen aller Betroffenen diskutiert werden.

Was ist das Ergebnis eines Raumordnungsverfahrens?

Das ROV endet mit einer sogenannten Landesplanerischen Feststellung zur Raumverträglichkeit der Planung. Diese ist bei nachfolgenden Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen und dient als eine gutachterliche Stellungnahme zur Raumverträglichkeit. Für alle zukünftigen Offshore-Netzanbindungsleitungen ist im Bereich des niedersächsischen Küstenmeeres die Durchführung von Planfeststellungsverfahren vorgesehen, in denen schließlich über die genehmigungsrechtliche Zulässigkeit entschieden und der konkrete Verlauf der Leitungen festgelegt wird. Die Landesplanerische Feststellung sowie in diesem Zuge der als raumverträglich festgestellte Trassenkorridor sind bei der Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange zu berücksichtigen.

Was umfasst das Raumordnungsverfahren „Seetrassen 2030“?

Gegenstand des ROV „Seetrassen 2030“ ist die Ermittlung weiterer Trassenkorridore zur Querung des niedersächsischen Küstenmeeres für künftige Offshore-Netzanbindungssysteme. Sie treten - aus der Ausschließlichen Wirtschaftszone kommend - in das Küstenmeer ein und reichen bis zum Anlandungspunkt an der Küste. Die betrachteten Korridore verlaufen von der 12-Seemeilen-Linie (Grenzkorridor N-III) über die Inseln Baltrum und Langeoog bis zum jeweiligen Anlandungsbereich bei Dornumersiel bzw. zwischen Ostbense und Neuharlingersiel. Für die Durchführung des ROV „Seetrassen 2030“ ist das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems zuständig.

Warum müssen zukünftig auch Kabeltrassen über Baltrum und/oder Langeoog führen?

Um die gesetzlich vorgegebenen Ausbauziele der Offshore-Windenergie von 40 GW bis 2040 zu realisieren, sind zusätzliche Offshore-Netzanbindungssysteme notwendig. Planerisch und technisch ist eine Realisierung von insgesamt zwölf Systemen über Norderney möglich. Aktuell ist dieser Raum bereits mit zehn Systemen belegt bzw. beplant. Die Realisierung von zwei weiteren Systemen bis 2030 führt zu räumlichen und technischen Engpässen aufgrund der hierfür nötigen Projektabfolgen auf Norderney und bei der Anlandung in Hilgenriedersiel. Diese werden daher erst nach 2030 realisiert. Um die Engpässe zu vermeiden und um eine langfristige Planung zu ermöglichen, sind neue Korridore für die Anlandungen und in der 12-sm-Zone der deutschen Nordsee notwendig. Die Studien, die TenneT und Amprion im Vorfeld durchgeführt haben, ergeben, dass die Trassenkorridore über Langeoog und Baltrum im Vergleich zu anderen Korridoren die konfliktärmsten Raumwiderstände aufweisen.

Wieso sind Amprion und TenneT zuständig für die Anbindung der Offshore-Windparks in der Nordsee?

Übertragungsnetzbetreiber, in deren Regelzone die Netzanbindung von Windenergieanlagen auf See erfolgen soll, sind nach § 17d Abs. 1 Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet, „Offshore-Anbindungsleitungen entsprechend den Vorgaben […] des Windenergie-auf-See-Gesetzes zu errichten und zu betreiben.“ Die Lage der Netzverknüpfungspunkte an Land wird gemäß § 12b Abs. 1 Nr. 7 EnWG im Netzentwicklungsplan aufgeführt, wodurch sich die Zuweisung für den jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber ergibt. Je nach Lage des einzelnen Netzverknüpfungspunktes sind dann entweder Amprion oder TenneT für die Anbindung der Windparks zuständig. Der Netzentwicklungsplan wird gemeinsam durch die Übertragungsnetzbetreiber erarbeitet und in jedem ungeraden Kalenderjahr durch die zuständige Regulierungsbehörde bestätigt (§ 12c Abs. 4 EnWG).

Warum bezieht sich das ROV nur auf den Raum des Küstenmeers?

Die Leitungsführung durch das niedersächsische Küstenmeer und hier insbesondere durch den Nationalpark "Niedersächsisches Wattenmeer" ist mit intensiven planerischen Konflikten verbunden, so dass nur wenige Bereiche grundsätzlich für eine Kabelverlegung in Betracht kommen. Am Festland sind auch planerische Konflikte zu erwarten, diese können aber erfahrungsgemäß durch kleinräumige Trassenvarianten und eine angepasste Bauausführung in der Regel weitgehend minimiert werden. Deshalb betrachten wir zunächst die Leitungsführung im Küstenmeer. Ausgehend von einem Anlandungsbereich an der Küste sind zu einem späteren Zeitpunkt Trassenkorridore zu entwickeln, die eine landseitige Fortführung der Kabelverbindung ermöglichen.

Für die Landtrasse ist innerhalb des ROV lediglich ein Untersuchungsraum mit einem Radius von 5 km um den potenziellen Anlandungsbereich zu betrachten, um eine Anlandung in sehr sensiblen Bereichen auszuschließen. Dieser Radius wird auf raumordnerische und umweltfachliche Planungshindernisse hin untersucht und im ROV berücksichtigt. Die Weiterführung zu den Netzverknüpfungspunkten wird dann in weiteren Verfahren geplant.

Was ist bisher geschehen? Wie ist der aktuelle Verfahrensstand?

Den Auftakt für das Verfahren bildete die Antragskonferenz im November 2019, in deren Vorfeld Amprion und TenneT eine detaillierte Desktop-Studie angefertigt hatten. Dafür wurden zahlreiche Trassenkorridore in der gesamten deutschen Bucht entwickelt und hinsichtlich der Gesichtspunkte Raum- und Umweltverträglichkeit, Technik und Wirtschaftlichkeit untersucht. Die Korridore wurden in der Antragskonferenz u.a. mit öffentlichen Stellen, Verbänden und Vereinigungen erörtert. Als Ergebnis entstand ein Untersuchungsrahmen, der festlegt, welche Varianten zu untersuchen sind und welche Informationen die Antragsunterlagen für das ROV enthalten müssen. Insgesamt vier Korridorvarianten erwiesen sich als vorzugswürdig und werden im ROV nun vertieft betrachtet: zwei führen über die Insel Langeoog, zwei über die Nachbarinsel Baltrum. Die Anlandungsbereiche liegen entsprechend in den Gemeinden Neuharlingersiel und Dornum.

Das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems (ArL) hat das ROV am 11.01.2021 eingeleitet. Die Antragsunterlagen konnten vom 28.01.2021 bis einschließlich 01.03.2021 eingesehen werden. Das ROV dient dazu, die Träger öffentlicher Belange, darunter Kommunen, Fachbehörden und Verbände, zu beteiligen sowie die Öffentlichkeit frühzeitig zu informieren und anzuhören. Bis einschließlich zum 01.04.2021 konnten Stellungnahmen beim Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems eingereicht werden. Anschließend werden die Stellungnahmen beurteilt und im folgenden Erörterungstermin mit der Planungsbehörde, den Planungsträgern, den Trägern öffentlicher Belange sowie Naturschutzvereinigungen diskutiert.

Das ROV endet mit der Landesplanerischen Feststellung zur Raumverträglichkeit der Planung. Diese ist bei Genehmigungen, Planfeststellungen und sonstigen behördlichen Entscheidungen über die Zulässigkeit von Vorhaben zu berücksichtigen. Für jedes geplante Offshore-Netzanbindungssystem muss im Anschluss noch ein Planfeststellungsverfahren bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr durchgeführt werden.

Die Unterlagen des ROV können auf der  Internetseite des ArL eingesehen werden.

Inwiefern wurde der landseitige Verlauf bereits betrachtet?

Teil der Desktop-Studie für Seetrassen 2030 ist auch eine Betrachtung des Umkreises von 5 Kilometern um die Anlandungsbereiche. So soll der Entstehung eines sogenannten Planungstorsos (auch unmittelbar hinter der 5 km-Grenze) vorgebeugt werden. D.h. es soll sichergestellt werden, dass ein weiterer Verlauf landseitig möglich ist. Die Planung des weiteren Korridorverlaufs ist nicht Teil von Seetrassen 2030, sondern wird in weiteren Verfahren betrachtet. Der Verlauf hängt einerseits vom Ergebnis des seeseitigen ROV ab und andererseits davon, welche Netzverknüpfungspunkte zur optimalen Integration des offshore erzeugten Stromes in das landseitige Übertragungsnetz in zukünftigen Netzentwicklungsplänen bestätigt werden. In diesen projektspezifischen Verfahren werden dann auch ggf. vorhandene Hindernisse erfasst und können je nach ihren Auswirkungen berücksichtigt werden. Aktuell laufen die Vorplanungen für die drei bereits im Netzentwicklungsplan bestätigten Offshore-Vorhaben mit Netzverknüpfungspunkten Wilhelmshaven II (1) und Unterweser (2 Vorhaben). Dieses Verfahren wird als ROV Landtrassen 2030 vorbereitet.

Wie ist die weitere Planung?

Stellungnahmen zum ROV konnten bis zum 1. April 2021 eingereicht werden. Diese werden anschließend von den Vorhabenträgern bewertet. In einem Erörterungstermin werden die Ergebnisse der Bewertungen ausführlich erläutert. Am Ende des Verfahrens steht die Landesplanerische Feststellung.

Für die einzelnen Offshore-Netzanbindungssysteme folgen dann Planfeststellungsverfahren für die jeweiligen See- und Landtrassen.

Die Inbetriebnahme der ersten Projekte, die über eine der Inseln realisiert werden sollen, ist für 2029 vorgesehen, eine Bautätigkeit auf bzw. rund um eine der Inseln wäre somit für etwa 2024/2025 vorgesehen. In ihren Antragsunterlagen schlagen Amprion und TenneT vor, die Korridore von West nach Ost zu erschließen und damit im Raum Baltrum zu beginnen.

Bautechnik:
Die Insel- und Deichquerung im Horizontalbohrverfahren

HDD Inselkreuzung

Die Planungen für weitere Offshore-Netzanbindungssysteme in der deutschen Nordsee im Rahmen von Seetrassen 2030 sehen die Inselquerung mit dem sogenannten Horizontalbohrverfahren (englische Abkürzung: HDD) vor. Dies betrifft die beiden ostfriesischen Inseln Baltrum und Langeoog. Bei den bisher realisierten Leitungen über die Insel Norderney erfolgte die Inselquerung ebenfalls mittels Horizontalbohrung im sogenannten HDD-Verfahren. Dieses Verfahren entspricht dem Stand der Technik und weist wesentliche Vorteile in Bezug auf eine Minimierung des erforderlichen Eingriffs auf. Auf der Insel Norderney wurden so in den letzten Jahren sieben Netzanbindungssysteme umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung.

Die Querung der Insel Baltrum würde vom Baltrumer Inselwatt aus bis zum Nordstrand von Baltrum erfolgen, d. h. die Insel würde mit einer Wasser-/Landbohrung, vom Wattbereich ausgehend und am Nordstrand endend, gequert. Die Versorgung der Baustelle würde dementsprechend von der Seeseite her erfolgen.

Die Insel Langeoog würde vom Langeooger Inselwatt aus mittels Horizontalbohrung bis zum Nordstrand der Insel gequert werden. D. h. Langeoog würde mit einer Wasser-/Landbohrung, vom Watt ausgehend bis zum Nordstrand, gequert. Die Versorgung der Baustelle würde dementsprechend ebenfalls von der Seeseite her erfolgen.

Was ist ein Horizontalbohrverfahren?

Das Horizontalbohrverfahren (auch HDD - Horizontal Directional Drilling) ist eine Richtbohrtechnik für Horizontalbohrungen. Bei einer Richtbohrtechnik handelt es sich um ein Verfahren, welches die Beeinflussung der Bohrrichtung ermöglicht. Damit kann die Querung von besonderen Schutzbereichen wie Deichen, Dünen und Seegraswiesen in geschlossener Bauweise erfolgen, d. h. ohne Aufgrabungen des Bodens für die Kabelverlegung vornehmen zu müssen.

Bereits bei den bisher realisierten Offshore-Netzanbindungssystemen über Norderney erfolgte die Inselquerung mittels Horizontalbohrung im HDD-Verfahren. Dieses Verfahren entspricht dem Stand der Technik und weist wesentliche Vorteile in Bezug auf eine Minimierung des erforderlichen Eingriffs auf. Auf der Insel Norderney wurden so in den letzten Jahren sieben Netzanbindungssysteme umgesetzt oder befinden sich derzeit in der Umsetzung. Zuletzt waren das DolWin6 und BorWin5.

Wie ist der Ablauf einer Horizontalbohrung?

Im Wesentlichen funktioniert eine Horizontalbohrung so: Mit speziellem Gerät wird ein unterirdischer Kanal gebohrt, in den ein leeres Kabelschutzrohr eingeführt wird. In dieses Kabelschutzrohr kann dann später ein Stromkabel eingezogen werden. Das Verfahren besteht aus drei Schritten. Im ersten Schritt wird eine Pilotbohrung mit einem relativ dünnen Gestänge vorgenommen. Im zweiten Schritt wird am Austrittspunkt ein Räumer an das Bohrgestänge montiert und in Richtung des Bohreintrittspunktes gezogen. So wird der Bohrkanal auf die erforderliche Breite gebracht. Im dritten Arbeitsschritt wird dann das Kabelschutzrohr in den Bohrkanal eingezogen. Auch fließende Gewässer, Straßen oder Schienen können mit diesem Verfahren unterquert werden. Die Bohrungen können über tausend Meter lang sein und dank innovativer Technik sehr genau gesteuert werden. Das Horizontalbohrverfahren wird bei allen Offshore-Netzanbindungen eingesetzt, neben der Inselquerung beispielsweise auch bei der Querung des Deiches zur Anlandung der Netzanbindungen an das Festland.

Was ist der Vorteil des Horizontalbohrverfahrens?

Das HDD-Verfahren weist wesentliche Vorteile in Bezug auf eine Minimierung des erforderlichen Eingriffs auf. Es handelt es sich um eine grabenlose und zugleich äußert umweltfreundliche und schonende Verlegetechnik, da die Erdarbeiten auf ein Minimum beschränkt werden können. Zudem wird die Deichsicherheit durch dieses Verfahren nicht beeinträchtigt.

Weiterführende Informationen und Filmmaterial zum Thema Horizontalbohrverfahren finden Sie unter den folgenden Link:  Horizontalbohrverfahren - TenneT.

Wie lange dauern die Bauarbeiten?

Die geplanten Trassenkorridore für zukünftige Offshore-Netzanbindungssysteme verlaufen durch den Nationalpark Wattenmeer. Dort halten wir uns zum Schutz von Flora und Fauna an vorgegebene, jährlich wiederkehrende Bauzeitenfenster, die sich neben den naturschutz- auch aus den deichrechtlichen Restriktionen ergeben. Die Bauarbeiten zur Insel- und Deichquerung beschränken sich deshalb im Wesentlichen auf wenige Monate im Sommer, dies allerdings wiederkehrend. Auf diese Weise sollen die Tier- und Pflanzenwelt möglichst wenig belastet werden.

Wieso werden die Kabel nicht um die Inseln herum verlegt?

Die starken Strömungen durch Ebbe und Flut wirken so stark auf den Meeresboden ein, dass eine sichere Kabelverlegung und ein sicherer Betrieb zwischen den Inseln technisch nicht umsetzbar ist. Hinzu kommt, dass je Seegatt (Strömungsrinne zwischen den Inseln) aufgrund des begrenzten Raumes und aufgrund der benötigten Abstände der Netzanbindungssysteme nur ein einzelnes System verlegt werden könnte.

Woraus besteht die Bohrspülung?

Die Bohrspülung besteht im Wesentlichen aus Süßwasser und Bentonit, einem natürlichen Tonmineral. Bei in geringen Mengen benötigten Zusätzen zur Regulierung der Fließeigenschaften handelt es sich um Stoffe, die auch in der Lebensmittelproduktion verwendet werden. Sowohl Bentonit als auch die Zusätze werden auch bei Bohrungen zur Erschließung von Trinkwasserbrunnen eingesetzt.

Was passiert nach der Bohrung mit der Bohrspülung und dem Bohrklein?

Die Bohrspülung und das Bohrklein werden nach der Bohrung separiert. Wie bei allen anderen Horizontalbohrungen werden die Materialien den gesetzlichen Regelungen entsprechend entsorgt.

Wie werden Auswirkungen auf das Wattenmeer vermieden?

Grundsätzlich gilt im Nationalpark das sogenannte Null-Einleitungsprinzip, was durch verschiedene Maßnahmen sichergestellt wird. Alle Maschinen, Geräte und Stoffe werden etwa auf Umweltverträglichkeit geprüft und müssen diesem Prinzip entsprechen. Ein entsprechender Nachweis muss von TenneT und Amprion vor Beginn der entsprechenden Maßnahme vorgelegt werden. Darüber hinaus ist auf Norderney eine naturschutzfachliche Baubegleitung für die Maßnahmen vorgegeben, womit auch für Baltrum und Langeoog zu rechnen ist.

Die Süßwasserlinsen unter den ostfriesischen Inseln

Eine lokale Besonderheit der Ostfriesischen Inseln ist das Vorkommen von Süßwasserlinsen. Im Rahmen des ROV Seetrassen 2030 betrifft dies die Inseln Baltrum und Langeoog. Letztere nutzt eine ihrer drei Süßwasserlinsen für die Trinkwasserversorgung auf der Insel. Die beiden Weiteren dienen der Langeooger Bevölkerung als Reserve und werden derzeit nicht für die Trinkwassergewinnung genutzt. Die Insel Baltrum hingegen ist über eine Trinkwasserleitung an das Festland angebunden und hält ihre Süßwasserlinse als Reserve vor.

Was genau ist eine Süßwasserlinse?

Im Wesentlichen handelt es sich bei einer Süßwasserlinse, auch Ghyben-Herzberg-Linse genannt, um einen uhrglasförmigen Süßwasserkörper, welcher auf salzhaltigem Grundwasser schwimmt. Ähnlich wie bei einem Fettauge begründet sich diese Eigenschaft des Süßwassers aus dessen geringerer Dichte. Die Süßwasserlinse wird durch die Versickerung von Niederschlägen gebildet, das heißt, die Hohlräume des sandigen Bodens nehmen das Süßwasser auf. Salz- und Süßwasser werden darüber hinaus durch eine sogenannte Brackwasserzone getrennt. In diesem Bereich findet eine Mischung beider Wasserarten statt. Aufgrund der Beschaffenheit von Süßwasserlinsen lassen sich diese nicht klar umgrenzen. Sie verändern sich abhängig von der Wasserentnahme sowie Niederschlägen und breiten sich dementsprechend auch unterschiedlich aus. Informationen zum Thema Süßwasserlinse finden Sie beispielsweise auch  auf den Seiten der Universität Oldenburg oder der  Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Hat das Bohrverfahren negative Auswirkungen auf die Trinwasserversorgung?

Über die genaue Lage und Ausführung der Bohrungen wird erst im Planfeststellungsverfahren entschieden. Fest steht jedoch: es werden keine nachteiligen Einwirkungen auf das geschützte Grundwasser zu erwarten sein. Amprion und TenneT werden dies durch intensive Prüfung, geeignete Vorkehrungen und strikte Beachtung der behördlichen Vorgaben sicherstellen.

Während der Bohrung wird ein Austausch zwischen der Süßwasserlinse und dem Salzwasser durch die abdichtende Wirkung der Bohrspülung verhindert. Mit dem Einsatz der Bohrspülung ist keine negative Beeinflussung der chemischen Beschaffenheit der Süßwasserlinsen bzw. Trinkwasservorkommen auf den Inseln verbunden.

Nach Abschluss der Bohrung wird der entstehende Ringraum zwischen dem eingezogenen Leerrohr und dem Bohrkanal verdämmt und dichtet diesen gegen die Entstehung von Sickerlinien und damit das Eindringen von Salzwasser ab.

Stefan Sennekamp
Stefan Sennekamp
Projektsprecher DolWin4 & BorWin4